„Die Menschen zu fliehen. Im Kern des Lebens! Dem Werk, dem Schönen, etwas Wahrem zu dienen.“
Mali Brijun, eine Insel im Brijuni Nationalpark. Eine abgelegene Welt, durch eine 45 minütige Bootsfahrt von der Hauptinsel Veli getrennt. Ursprüngliche, dicht gewachsene und dunkel geheimnisvolle Vegetation, unheimlich flüsternde Kadaver von Flackeschützen und Bunkern, von Befestigungsanlagen und Hütten aus noch älterer Zeit, und die zerfleischten Gestade rings um das Archipel, erzählen von Zerfall, Verwesung, von Manifesten der Moderne, von Imperien – und dem Niedergang.
Die Stätten der Produktion, die Zellen, sind Kapseln der Weltentfremdung. Eine Festung gegen die Welt. Eine Zelle der Wahrheit.
Raum ist Leere, geschützt vor dem Außen, nur dem Denken Platz gewährend. Die Formsprache hart, nur Licht und Fläche. An diesem Ort ist Arbeit; der Raum, das Sagbare festzuhalten, ohne Irritation oder Ablenkung. Ein Ort der Besinnung, des Rückzugs, der Vertiefung – des Abgrunds. Werk und Wahrheit! Die Architektur ist roh und steht in der Landschaft wie ein Fremdkörper, selbst ein Objekt schon vergegangener Zeiten, wie die anderen Ruinen und Übereste zerflossener Weltanschauungen und Ideen.
Mali Brijun, eine Insel im Brijuni Nationalpark an der kroatischen Westküste. Eine Insel mit langer Geschichte, belegbar bis zur Bronze-Zeit. Eine Insel, die Zivilisationen, Gesellschaften, Ideologieen und Geschichten blühen und fallen gesehen hat. Überall im Landesinneren und an der Küste finden sich die Spuren jahrhundertelangen Abbaus von Kalkstein. Materielle Ausbeutung, die große Teile Venedigs, Anconas und vieler weiterer Orte hat entstehen und strahlen lassen; dazu die groß angelegten landschaftsarchitektonischen Änderungen während Kupelwiesers und nach ihm Titos Zeit, gefolgt durch die Maßnahmen im Zuge der Erschließung der Insel zum Nationalpark, wie es ihn heute gibt. Eine Geschichte der Veränderung, die man nun an vielen archäologischen Schichten ablesen kann.
Die zeichnerische Darstellung bewegt sich im gleichen Narrativ. Vom Ausdruck der Stille und dem Verlangen nach etwas noch nicht Sagbarem durch die abstrakten Kohle-Portraits, zur Vorstellung der Produktion in den Kohle-Skizzen, bis schließlich zu den zwingenden Parametern der räumlichen Existenz durch die architektonische Darstellung: die Ästhetik eines Raumes, der ein Denken möglich macht.