Der dritte Entwurf, ein III. Schritt der Weltabkehr ist der WERKRAUM. Aus den schützenden Klostermauern, der Plazenta geistigen Wirkens, sich wieder unter Mitmenschen zu mischen, aus dem Kreis der Wohlgesonnenen heraus (II.), ein Moment der wieder-Abkehr, der in der Geschichte der Klöster hundertfach geschah.
Mitten zwischen den belebtesten Straßen des Wiener Neubaus liegt das Haus in der Mondscheingasse 14 wie ein stiller Fremdkörper im städtischen Gefüge. Der niedrige Biedermeierbau aus dem frühen 19. Jh. wirkt trotz seiner zentralen Lage zurückgezogen und beinahe vergessen, überragt von seiner Umgebung, unscheinbar und geheimnisvoll. Wie auch der Biedermeier ein Rückzug in die Privatheit war, ist auch dieser Entwurf ein schützender Ort, ein Refugium innerhalb der Stadt. Ein geschützter Wohn- und Werkraum, der der als Trutzwehr nicht länger sich durch die Klausurmauer von der Welt beschränkt, sondern das gesellschaftliche Gefüge, die Anonymität der Stadt als Mauer für die Klausur begreift. Und in diese Wohnsituation, umgeben von Stadt und Geselligkeit, setzt sich die ZELLE als sakraler Raumkörper ins Innere des Gebäudes.
Die eigentlich durchschnittlichen Deckenhöhen werden im WERKRAUM vom Untergeschoss bis zum Dachstuhl durchbrochen und lassen, von außen unbemerkt, im Innern einen fast Kirchen ähnelnden Raum entstehen.
Die äußere Hülle des Biedermeier-Baus bleibt erhalten, das zur Stadt gewandte Antlits des Gebäudes. Nachdem man aber durch das Eingangstor in den Hof tritt, beruhigt sich das Treiben und man ist umgeben von der Stille eines ganz anderen Ortes.