Das ‚Kloster‘ ist das Gerüst des Zusammenlebens von ‚Zellen’, das nebeneinander-Leben ihrer Insassen. Das Kloster ist ein mit dem Mönchtum auf das engste verbundenes Bild und doch auch eines der am schwierigsten nachvollziehbaren. Es ist der Hafen für ein Problem, ein Ort, der in seinen genauen Abläufen und Regeln uns heute fremd und ein wenig lächerlich vorkommen mag, in seinem Streben und seiner Begründung aber bis heute nicht im mindesten an Bedeutung verloren hat: was tut der Mensch, wenn er sich nackt und einsam findet? Es drängt ihn danach, dass um ihn gewusst wird, dass er, wenn auch einsam, nicht alleine stehen muss.
Der Ort, der hier für dieses Schweigen angedacht ist, liegt abgelegen zwischen den Dörfern Orvinio und Pozzaglia Sabino, nahe Tivoli und Rom, inmitten einer Talsohle an den Monti Sabini des Abruzzischen Apennin. Um die Mitte des 11. Jhs erbaut, stehen heute von der Kirche, nach vielfachen Restaurierungen, Umbauten und Schäden, von der Abteikirche Santa Maria del Piano nurmehr noch die Außenwände und der angrenzende Glockenturm, der zu einem Mönchskonvent gehörte, von dem nichts als Hinweise auf die Fundamente geblieben ist. Das Kirchengebäude ist einschiffig, hinter der Vierung ist die Apsis noch größtenteils erhalten, die Querschiffe und darin gelegenen Kapellen sind eingestürzt und nur noch durch die Überreste der Mauern umrissen. Das Eingangsportal wurde im 15. Jh ersetzt und ist noch in recht gutem Zustand, vor allem die Ornamente und Verzierungen haben Witterung und Plünderungen teilweise überstanden und lassen einen Blick zu, auf das, was einmal eine fein detaillierte und prunkvolle Fassade gewesen sein muss.
Der Entwurf stellt die ruinöse Kirche nicht als Objekt einer historischen Rekonstruktion wieder her, sondern lässt nur den sakralen Raum wieder entstehen. Ein Raum, in dem die Schritte hallen und das Licht wieder so einfällt, wie es einst gewesen sein muss. Der Bestand bleibt in seinem verfallenen Zustand erhalten und wird lediglich konstruktiv gesichert. Eine Stahlstruktur stabilisiert die bestehenden Mauern und trägt im Inneren eine Hülle aus Betonplatten. Die Ruine wird gesichert, ohne ihre Spuren und Schichten zu verdecken.
Das ehemalige Konventsgebäude wird ebenfalls nicht historisch rekonstruiert, sondern es wird die Grundidee klösterlichen Zusammenlebens räumlich wiederhergestellt. Ein Verbund von Zellen im Geviert um einen Lichthof, verbunden durch den Kreuzgang. Die Zellen selbst sind nach dem Vorbild der Kartause gedacht. Selbstständige, wiederum aus einem von 7m hohen Mauern umgebenen Hof, Laubengang und Wohn- und Werkeinheit bestehende Rückzugsorte.
Das Gerüst, das die schützende Hülle trägt. Eine Hülle, die im Innern einen bestimmten Zustand ermöglicht – eben das ist im Grunde auch die Grundidee des Klosters. Ein Gerüst von Regelungen und Maßnahmen, die im Innern, im Lichthof, in der Zelle, einen bestimmten Zustand möglich machen.